Was heißt eigentlich Spiritualität? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Meiner Meinung nach ist dieses Thema so hoch-komplex wie einfach. Wie viele Millionen Menschen glaube ich daran, dass es etwas gibt, das meinem Leben einen Sinn verleiht und das das Leben ins Dasein ruft.
Als gläubiger Mensch orientiere ich mich am Transzendenten, ich nenne es “Gott”. Als Christ orientiere ich mich an Jesus Christus. Dieser Mensch hat ein Beispiel und sein Leben gegeben – aus Liebe.
Wenn ich über Spiritualität nachdenke, dann deswegen, um dieser unbändigen Sehnsucht nachzugeben, dem Geheimnis Gottes auf irgendeine Weise auch nur ein kleines Stückchen näher zu kommen. Wer selbst schon einmal verspürt hat, wie es ist, wenn man plötzlich hinter den Dingen einen Sinn vernimmt, Zusammenhänge, wo vorher keine waren, Liebe, wo vorher vielleicht nur Taten und Worte waren – der/die weiß, wovon ich rede.
Spiritualität hat für mich damit zu tun, dem Sinn des (eigenen und fremden) Lebens auf die Spur zu kommen. Das geschieht in manchen Augenblicken schlagartig, wie wenn ein Blinder sehend wird oder eine Taube hörend. In der Regel sind diese “Licht-Momente” aber eingebettet in den Lauf meines Lebens, das ich bewußt und manchmal auf unbewußt auf Gott ausrichte.
Ich finde ja, dass Spiritualität oft zu hoch eingeschätzt wird. Wo fängt sie wirklich an? Und wie weit geht sie? Meiner Meinung nach fängt die Spiritualität mit dem Verspüren der Dinge an. Zum Beispiel mit dem Verspüren einer Sehnsucht. Oder dem Gespür dafür, dass etwas nicht stimmt in meinem Leben. Man könnte es auch anders benennen: Mit der Achtsamkeit beginnt die Spiritualtität. Wenn ich achte auf mich, auf meine Umgebung, auf das Einfache und das Besondere, auf den Alltag und das darüber hinaus-gehende – dann hat das etwas mit Spiritualität zu tun, mit dem spiritus, dem Geist, dem Geist Gottes.
Das Verspüren der Dinge kann viele Dimensionen entfalten – eine materielle Dimension, eine geistige, eine religiöse, vielleicht auch noch andere. Beim Brennen einer Kerze verspüre ich Wärme, einen Docht, der brennt, ein Licht, das scheint. Geistig verspüre ich dadurch vielleicht ein inneres Hell-Werden, Bewegung durch das Flackern der Flamme. Spirituell kann eine Kerzenflamme vielleicht noch viel mehr bedeuten: Geborgenheit, Liebe, Wärme, Gottes Herz, Erfüllung oder vieles andere.
Diese Dimensionen erschließen sich manchmal wie von selbst, geschenkt, gnadenhaft. Aber immer wieder brauche ich Impulse, die ich mir entweder selbst gebe oder mir schenken lasse. Es bedeutet auch Disziplin und Ausdauer, wenn man spirituell nicht verhungern will. Denn wie jeder Garten, so braucht auch der Garten meiner eigenen Spiritualität Fürsorge, Pflege, geistiges Quell-Wasser und/oder Grundwasser.
Wo endet die Spiritualität? Ich kann kein Ende sehen, nicht einmal dort, wo ich nicht daran glaube, dass Gott seine Finger im Spiel hat. Ist das unrealistisch? Ich denke nicht. Ich weiß mein Leben aufgehoben in Gott, ich traue ihm zu, dass dieser mütterlich-väterliche Gott mich die Dinge verspüren lässt.
Gott, schenke mir die innere Beweglichkeit, hinter den Dingen auch dich zu sehen. Beflügle meine Phantasie immer wieder neu, damit ich nicht aufhöre, aufzubrechen und auszubrechen.
