Mit ‘sinnlos’ getaggte Artikel

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Auschwitz Birkenau

19. Mai 2010

Deutschsprachige Gedenktafel in Birkenau

Nach einem Besuch und einer Führung in den Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau in Polen gehen mir verschiedenste Dinge nach. Vieles habe ich bereits über den Holocaust, über die unvorstellbaren Sinnlosigkeiten und Verbrechen der Nazis gehört, gelesen und auch gesehen. Aber die „Zentrale des Wahnsinns“ aus unmittelbarer Nähe zu erleben, hat mit mir noch einmal etwas anderes gemacht: Ich fühle mich viel unmittelbarer betroffen von der industriellen Vernichtung und den Methoden der Nazis. Es hat mich vieles als eine Art „Prasselregen“ erreicht. Ich meine damit, dass es mir nicht möglich war, die Liter an Regenwasser (Information, Grauen, Betroffenheit) auf einmal in mein Erdreich der Gefühle einzulassen. Manches muss erst sickern. Eine Art, dies zu verarbeiten ist für mich, Eindrücke aufzuschreiben, in Wörtern, die man auch Gedichte nennen kann. Hier ein Versuch:

Gedicht „Auschwitz-Birkenau I“

Auschwitz
Menschen
Menschen?
Menschen!
Zyklon B-Kieselsteine, werden warm, zu Gas, vernichten billig und wirksam
Juden, Andersdenkende, Widerständler, Polen, Tschechen, Deutsche, Franzosen, Ungarn
4 Häftlinge auf 1 Quadratmeter
In Stehzellen ohne Tageslicht
Notdurft
Überlebenszeit maximal 6 Monate
Hunger
Regen
Schnee
Kälte
Nackt
Nackt?
Nackt!
Erschießung ohne Grund
Sippenhaftung
Gefängnis im Gefängnis
Ohne Widerstand?
Nein
Geflohen, Erschossen, Gehenkt
Die Haare zu Jackenfutter verarbeitet
Goldzähne werden zum Reichsschatz
Schuld?
Wer ist schuld?
Wo war Gott?
Einmal Duschen in 5 Monaten
Krankheit ist ein Todesurteil
Apell, stundelang
Bei jedem Wetter

Zaun im Lager Birkenau - gefangen und der Vernichtung ausgeliefert

Und nach harter Arbeit eines Nazis
Spielt das Judenorchester auf
Tief berührt von der Musik
Schreitet er gestärkt nächsten Tag zur Tötung
Und dann am Abend zurück in die Villa
Um sich zu erholen von der schweren Last
Der Vernichtung.
Menschen
Menschen?
Menschen!

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Sinnlos

14. Januar 2010

Wenn ich so nachdenke über Gegensätze, dann beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass vieles sinnlos sei. Wie lassen sich zum Beispiel ein Anzug-Mann, der – sagen wir – 400 Euro für ein Abendessen ausgibt und ein kenianisches Straßenkind, das bettelt und seine Eltern wegen HIV verloren hat, gedanklich verbinden? Dreht es sich in diesem Beispiel um den selben Planeten, die selbe Menschheit? Wenn ich solche Bilder nebeneinander sehe, dann kommt mir auch mein bescheidener Beitrag zur „Verbesserung der Welt“ sinnlos vor. Oder wie soll ich zusammendenken, dass auf der einen Seite der Erde Menschen Urlaub am Mond machen und andere nicht einmal das Geld und die Möglichkeiten haben, an sauberes Wasser zu kommen? Geht es Ihnen auch manchmal so?

In diesen Situationen bin ich ein Anhänger der „Chaos-Theorie“: Mein kleiner Beitrag, meine bescheidenen Überzeugungen, mein Beruf, mein Einkaufsverhalten können doch viel bewirken. Und wovon ich ebenfalls überzeugt bin: Beten hilft. Das klingt sehr plump und nicht außergewöhnlich eloquent, aber ich bin überzeugt, dass Gebet nicht sinnlos ist – im Gegenteil: Im Gebet, das vertrauensvoll ausgesprochen wird oder auch nicht ausgesprochen wird, liegt der Schlüssel zur Überwindung solcher Sinnkrisen. Denn wer betet, bei dem/der ist der Groschen bereits gefallen.

Gott, schenke mir das Durchhaltevermögen, auch bei gefühlter Sinnlosigkeit die Dinge Dir anzuvertrauen, in dem Wissen, dass ich Dir nicht nur nicht egal bin, sondern dass ich alles für Dich bin. Lass mich verfügbar bleiben für die kleinen und großen Sinnlosigkeiten, im Vertrauen auf die grenzenlosen Möglichkeiten, die sich in Dir vereinen!

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