Ein Fotoalbum. Menschen staunen beim Anblick ihrer äußeren Veränderung. Vom Kind zum Mann oder zur Frau. Menschen bleiben gleich, die Identität umfasst die Person von der Zeugung bis zum Tod. Und trotzdem passiert ständige Veränderung. Kinder erleben sich und die Welt anders als Erwachsene. Und jeder Mensch erlebt das, was um ihn herum passiert, wiederum anders. Fragen sie 20 Menschen, die ein Theaterstück gesehen haben, was sie erlebt haben. Das wird 20 verschiedene Antworten erzeugen.
Unser Leben ist in erster Linie Veränderung. Und zwar in vielfacher Hinsicht. Im Laufe der Zeit verändern sich Körpergröße, Haarfarbe, Geruch, Ausdünstung, Hautfarbe und –form, Gesichtszüge, Lachfalten. Auch innen ändert sich einiges. Organe altern, Gelenke nutzen sich ab, Muskel bauen sich auf oder ab.
Neben dem, was sich körperlich tut, verändert sich vor allem auch unser Intellekt, unser Gemüt, unsere Einstellung zum Leben, unsere Haltung uns selbst gegenüber, den Menschen und den Dingen um uns herum. Es ändert sich auch, woran wir glauben.
Das provoziert die Frage nach dem Gleichbleibenden, der Kontinuität. Wenn sich ohnehin alles ändert, was bleibt dann eigentlich gleich? Ich kann diese Frage nur für mich selbst beantworten. Mein Kontinuum ist Gott. Würde man mich fragen, ob sich denn mein Gottesbild nie verändert hat, ob mein Glaube immer gleich geblieben ist, müsste ich trotzdem verneinen. Mein Gottesbild und mein Glaube ändern sich jeden Tag, müsste ich ehrlicherweise sagen. Nicht immer ganz bewusst, nicht immer in eine Richtung, die gut ist, aber trotzdem: Mein Gott ist jeden Tag anders.
Warum ist sie dann trotzdem das Gleichbleibende in meinem Leben? Das, was gleich bleibt, ist, dass sie da ist. Dass sie mit geht. Dass sie mit lacht, hüpft, tanzt, trauert und weint. Dass sie mit mir wütend ist, mit mir dem Leben den Frust ins Gesicht schreit. Und dann wieder einfach mit mir spazieren geht, Rad fährt und unterrichtet. Gott ist da. Sie liebt mich auf eine ganz besondere Weise. Manchmal so, dass ich nicht einmal weiß, ob sie da ist oder mir auch nur zuhört. Manchmal so, dass sich ausgehend von meinem Herzen Wärme im ganzen Körper verbreitet. Und das Schönste daran ist: sie ist jeden Tag neu. Sie verändert sich, sie ist dynamisch. Manchmal ist Gott für mich auch ein Mann, oder ein Baum, an dem ich mich anlehnen und festhalten kann.
„Du bist wirklich ein Spinner! Du lebst in einer Phantasiewelt!“, höre ich manche vor meinem inneren Ohr sagen, die mit Gott so gar nichts anfangen können. Für mich eines der schönsten Komplimente. Denn bei weitem nicht alle Menschen können von sich sagen, dass sie in einer Welt leben, in der sie sich wohl fühlen. Ich möchte die Ansage Jesu, von den Kindern zu lernen, auch so verstehen, dass ich von den Kindern lernen darf, in einer Art Phantasiewelt zu leben. Das ist keine andere Welt als die Welt, wie sie uns in den Fernseh-Nachrichten vor Augen geführt wird. Es gibt nur diese EINE Welt, nur diese eine Wirklichkeitt. Aber jede und jeder erlebt sie anders. Ich erlebe sie bei all den Härten und Kälten, die mir unterstellt werden und täglich begegnen, als eine glückliche, zufriedene und lustvolle Welt.

