Mit ‘Sinn’ getaggte Artikel

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Immer gleich, und doch anders

2. November 2010

Ein Fotoalbum. Menschen staunen beim Anblick ihrer äußeren Veränderung. Vom Kind zum Mann oder zur Frau. Menschen bleiben gleich, die Identität umfasst die Person von der Zeugung bis zum Tod. Und trotzdem passiert ständige Veränderung. Kinder erleben sich und die Welt anders als Erwachsene. Und jeder Mensch erlebt das, was um ihn herum passiert, wiederum anders. Fragen sie 20 Menschen, die ein Theaterstück gesehen haben, was sie erlebt haben. Das wird 20 verschiedene Antworten erzeugen.

Unser Leben ist in erster Linie Veränderung. Und zwar in vielfacher Hinsicht. Im Laufe der Zeit verändern sich Körpergröße, Haarfarbe, Geruch, Ausdünstung, Hautfarbe und –form, Gesichtszüge, Lachfalten. Auch innen ändert sich einiges. Organe altern, Gelenke nutzen sich ab, Muskel bauen sich auf oder ab.

Neben dem, was sich körperlich tut, verändert sich vor allem auch unser Intellekt, unser Gemüt, unsere Einstellung zum Leben, unsere Haltung uns selbst gegenüber, den Menschen und den Dingen um uns herum. Es ändert sich auch, woran wir glauben.

Das provoziert die Frage nach dem Gleichbleibenden, der Kontinuität. Wenn sich ohnehin alles ändert, was bleibt dann eigentlich gleich? Ich kann diese Frage nur für mich selbst beantworten. Mein Kontinuum ist Gott. Würde man mich fragen, ob sich denn mein Gottesbild nie verändert hat, ob mein Glaube immer gleich geblieben ist, müsste ich trotzdem verneinen. Mein Gottesbild und mein Glaube ändern sich jeden Tag, müsste ich ehrlicherweise sagen. Nicht immer ganz bewusst, nicht immer in eine Richtung, die gut ist, aber trotzdem: Mein Gott ist jeden Tag anders.

Warum ist sie dann trotzdem das Gleichbleibende in meinem Leben? Das, was gleich bleibt, ist, dass sie da ist. Dass sie mit geht. Dass sie mit lacht, hüpft, tanzt, trauert und weint. Dass sie mit mir wütend ist, mit mir dem Leben den Frust ins Gesicht schreit. Und dann wieder einfach mit mir spazieren geht, Rad fährt und unterrichtet. Gott ist da. Sie liebt mich auf eine ganz besondere Weise. Manchmal so, dass ich nicht einmal weiß, ob sie da ist oder mir auch nur zuhört. Manchmal so, dass sich ausgehend von meinem Herzen Wärme im ganzen Körper verbreitet. Und das Schönste daran ist: sie ist jeden Tag neu. Sie verändert sich, sie ist dynamisch. Manchmal ist Gott für mich auch ein Mann, oder ein Baum, an dem ich mich anlehnen und festhalten kann.

„Du bist wirklich ein Spinner! Du lebst in einer Phantasiewelt!“, höre ich manche vor meinem inneren Ohr sagen, die mit Gott so gar nichts anfangen können. Für mich eines der schönsten Komplimente. Denn bei weitem nicht alle Menschen können von sich sagen, dass sie in einer Welt leben, in der sie sich wohl fühlen. Ich möchte die Ansage Jesu, von den Kindern zu lernen, auch so verstehen, dass ich von den Kindern lernen darf, in einer Art Phantasiewelt zu leben. Das ist keine andere Welt als die Welt, wie sie uns in den Fernseh-Nachrichten vor Augen geführt wird. Es gibt nur diese EINE Welt, nur diese eine Wirklichkeitt. Aber jede und jeder erlebt sie anders. Ich erlebe sie bei all den Härten und Kälten, die mir unterstellt werden und täglich begegnen, als eine glückliche, zufriedene und lustvolle Welt.

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Wachstum – an die Grenzen gehen

9. Mai 2010

Heute bin ich auf die Frage gestoßen: „Wie exzentrisch darf man_frau überhaupt sein?“ Was heißt denn exzentrisch? Frei heraus würde ich übersetzen: Gewagt, Grenzen austestend, an die Grenzen gehend.
Grenzen haben etwas Anziehendes und etwas Abstoßendes an sich. Wenn ich sage „Das war jetzt aber grenzwertig“, dann schwingt einiges mit: Vorsicht, Bewunderung, Entrüstung, Verletzung des guten Geschmacks, vielleicht auch Neid. Gerade was den Bereich des Humores betrifft, gibt es viel „Grenzwertigkeiten“. Witze, die dem einen gefallen, sind für den anderen schon außerhalb des guten Geschmackes.

Wenn ich selber Situationen oder Menschen begegne, die „grenzwertig“ sind, dann kommt für mich auf jeden Fall eines zum Ausdruck: Hier handelt es sich nicht um Durchschnitt, Mainstream, Mittelmäßigkeit. Hier handelt es sich um jemanden oder etwas, der oder das an die Grenzen geht. Entweder die persönlichen Grenzen oder die des anderen. Je nach Perspektive.

Wofür dieses „Sich-an-der-Grenze-Bewegen“ aber auf jeden Fall gut und förderlich ist, ist „Wachstum“. Denn nirgends anderswo ist derart großes Wachstumspotential gegeben als an den „Grenzen“. Auch hier hat die Medaille wieder zwei Seiten. Auf der einen Seite kann dieses Wachstum den Menschen schaden (wenn etwa Waffen „ausprobiert“ werden) oder es kann den Menschen nutzen (wenn etwa ein kleines Kind lernt, wie schnell es laufen kann, ohne zu stolpern und hinzufallen).

Nur im Gehen an die Grenzen – und das kann man durchaus auch geografisch sehen – ist Entwicklung und Wachstum möglich. Es kann auch eine Grenze bedeuten, wenn man etwas nicht haben oder vollbringen kann. Gerade Menschen im fortgeschrittenen Alter erleben das häufig. Aber auch hier ist die Grenze die Linie oder der Punkt, der Wachstumsmöglichkeit bedeutet.

Worauf ich aber hinaus will: Leben mit Leidenschaft, oder „Mit Leidenschaft Mensch“, bedeutet für mich, immer wieder mal an die Grenzen zu gehen. Das bringt nicht nur Lob und Bewunderung, sondern durchaus auch Widerstand und Abneigung. Aber damit will ich gerne leben, denn worauf ich verzichten kann, ist angehimmelt zu werden. Worauf ich aber nicht verzichten will, ist: Wachstum. In diesem Sinne wäre die Antwort auf die Eingangsfrage „Wie exzentrisch darf man_frau denn sein?“ diese: So exzentrisch, dass Wachstum im positiven Sinne möglich ist.

Gott, sende aus deinen Heiligen Geist über alle Menschen und lass uns an unsere persönlichen Grenzen gehen. Ermutige uns, mit Widerständen klarzukommen und schenke uns immer wieder die Phasen der Harmonie und der Ruhe. Hilf uns, die „grenzwertigen“ Situationen unseres Lebens gut zu nutzen für unser persönliches Wachstum und für das Wachstum deines Reiches. Amen.

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Ostern – Auferstehung – Leben

4. April 2010

Wenn man 5 Mal, 10 Mal, vielleicht schon 60 Mal Ostern gefeiert hat – kommt einem da das Gerede von Auferstehung nicht leer und abgedroschen vor? Wenn man noch nie an einer kirchlichen Auferstehungsfeier teilgenommen hat und bisher über Jesus und Ostern nur Witze gehört hat – wie mutet Ostern an? Ich möchte gerne von den letzten Tagen berichten, die ich von Gründonnerstag bis heute, Ostersonntag, erlebt habe.

Am Gründonnerstag feierte ich die Messe vom letzten Abendmahl mit. Ich habe von Alltag gesprochen. Ein Mahl im Angesicht des Todes. Jesu Jüngerinnen und Jünger – Menschen wie du und ich, mit Kerben und Narben im Lebensholz. Bis heute lebt jede Gemeinde, in der Christus gegenwärtig ist, vom gemeinsamen Mahl.

Karfreitag. Ich habe in einer Kinderliturgie erlebt, was es heißt, über eigene Tief- und Tiefstpunkte nachzudenken. Es wird der Tod Jesu als Zeichen für einen menschlichen Tiefstpunkt reflektiert. Tränen wurden als Symbole verwendet. Symbole der Traurigkeit. Aber Tränen weinen wir nicht nur bei Traurigkeit. Auch bei großer Freude laufen uns manchmal Tränen über die Wangen. Das genau markiert den Wendepunkt. In der Doppeldeutigkeit von Tränen – bei großer Traurigkeit oder bei großer Freude – vermischen sich die Gegensätze des Lebens. Widersprüchliches klärt sich auf. Tod wird zur Vorfreude auf das Leben.

Als ich am Karsamstag am Vormittag an der Probe für die Osternachtfeier teilnahm, konnte ich in mir eine schon lange nicht mehr dagewesene Freude verspüren. Ich nenne sie die Freude der Freunde Jesu. In dieser Freude habe ich die Osternacht und die Auferstehungsfeier heute früh mitgefeiert. Heute habe ich auch verspürt, was Auferstehung für meine verstorbene Mutter bedeuten muss. Nichts von Abgedroschenheit. Nichts von Leere. Ein Gefühl der Erfüllung und der Fülle. Das Wissen um das letzte Aufgehobensein bei Gott. Eine besondere Klarheit des Geistes, Lachen im Herzen, Auferstehung.

Ich weiß, dass das ein persönliches Zeugnis ist. Aber ich weiß auch, dass viele Christinnen und Christen das ähnlich empfinden. Das persönliche Durchleben der Karwoche und von Ostern gibt vielen Menschen Kraft und Vertrauen.

Du Gott der ganzen Erde, schenke mir immer neu die Erfahrung der Auferstehung, zu Ostern und wann immer es nötig ist. Lass das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu für alle zur Quelle werden, die auf der Suche sind nach Leben und Sinn.

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Twitter, Facebook und co: Was bringt’s?

14. März 2010

Neben der „Web 2.0 Suicide Machine“ gibt es viele Tendenzen, sich über den Sinn oder Unsinn von Twitter, Facebook und co bewusst zu werden. Es gibt mittlerweile Programme, die einen den Ausstieg aus Social Media erleichtern wollen. Das sollte uns, die wir einen gewissen Teil unserer Zeit mit/vor dem Internet verbringen, zu denken geben.

Ich glaube nicht, dass die regelmäßige Nutzung von Social Media schon bedeutet, dass analoge Beziehungen und Erfahrungen leiden. Meiner Erfahrung nach wirken Social Media auch belebend für Beziehungen. Nicht einmal – sondern mehrere Male ergab es sich, dass ich während des Chattens auf Facebook gefragt habe, ob wir uns noch treffen. Und oft hatte das zur Folge, dass ich 20 Minuten später an einem Tisch saß mit einem Freund / einer Freundin und dann das Gespräch analog fortgesetzt habe.
Ein anderes Beispiel der Belebung von Beziehung durch Social Media sind die diversen Informationen, die zB via Twitter ausgetauscht werden. Oft sind diese Infos Anknüpfungspunkt für Austausch und Diskussion und fördern zudem die eigene Meinungsbildung.

Bedenklich würde ich Social Media dann finden, wenn sie analoge Beziehungen ersetzen oder vermindern würden. Denn kein Medium kann einen Augen-Blick, eine Berührung, die menschliche Stimme und ein Lachen ersetzen. Dass dies aber oft der Fall ist, ist eine Entwicklung, die vielleicht gerade in der Fastenzeit besondere Aufmerksamkeit verdient.

Schön ist für mich, wenn ich nach dem Sommerurlaub heimkomme und die digitale Welt wieder einigermaßen fremd für mich geworden ist. Denn da spüre ich, dass ich trotz vieler Aktivitäten im Web bzw. Web 2.0 mich nicht verändert habe.

Gott, schenke mir in den vielen Verwicklungen der digitalen Kommunikation die Gabe der Unterscheidung. Hilf mir, das Netz aus Beziehungen, in dem ich mich bewege, real und online gut zu nutzen. Danke für jede Begegnung, die mich reich macht.

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Gott, dein Feuer brennt – auch in uns

5. März 2010

Gott, dein Feuer brennt, auch in uns.
Du bist uns nahe, wie der Boden unter den Füßen und wie die Luft, die wir atmen.
Wenn es kalt ist, läßt du es warm werden in uns.

Gott, dein Feuer brennt, auch in uns.
Du bist die Kraft unserer Fantasie, die keine Grenzen kennt.
Im Durcheinander unseres Lebens, bis du einfach da.

Gott, dein Feuer brennt, auch in uns.
Du bist der Funke, der manchmal überspringt, wenn uns der Antrieb fehlt.
In der Hektik unseres Alltags und im Geschrei des Tages bist du der Ruhepol, der uns gut tut.

Gott, dein Feuer brennt, auch in uns.
Du bist mitten unter uns, auch wenn wir dich nicht sehen.
In der Wärme deiner Gegenwart lässt du uns innehalten, führst du uns zum Kern unseres Ichs.

Gott, dein Feuer brennt, auch in uns.
Danke dafür.

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Atheismus – Leben ohne Gott

28. Februar 2010

Ein Leben ohne Gott…
…wäre für mich wie Sonnenbaden im Nebel – eine verstellte Sicht, getrübte Lebensfreude, ein Hauch von Sinnlosigkeit, Sprechen gegen eine Wand. Es gibt viele Möglichkeiten, das auszudrücken. Atheismus – eine Weltanschauung, die ohne Gott auskommt. Viele AtheistInnen glauben nicht an Gott, weil man sie/ihn nicht beweisen kann. Ist Wasser nass? Ist grün eine Farbe? Ist Gott jemals jemandem begegnet?

Im physikalischen oder mathematischen Sinn wird sich Gott nicht beweisen lassen. Auch die vielen philosophischen Gottes-„Beweise“ werden wahrscheinlich nur wenige Menschen in Berührung bringen mit dem Urgrund des Lebens – Gott. Es stimmt, man kann ein guter Mensch sein, ohne an Gott zu glauben. Die „Fülle des Lebens“ wird aber nur die/der erfahren, die/der in Berührung oder Tuchfühlung mit dem letzten Geheimnis der Menschheit ist.

„Wie geht denn das?“ wird sich vielleicht eine Atheistin/ein Atheist fragen. Und wirklich, das ist eine gute Frage! Antworten dürfte es wohl soviele geben, wie es Sterne gibt am Himmel. Die Wege zu Gott sind vielfältig. Manche Menschen finden zu der Urkraft des Lebens durch Leid und durch durchlebte Krankheiten. Andere begegnen ihm in den Worten der Bibel. Wieder andere kommen mit Gott in Kontakt, in dem sie in Stille wahrnehmen, was ist: Geschaffenes, Gewolltes, Geliebtes. Viele Menschen erleben die Nähe Gottes in Momenten des Glücks und der Freude. Ist das wirklich Gott? Oder doch nur Selbstbetrug, Suggestion, Wirklichkeitsverweigerung?

Einmal, wenn unser irdisches Leben zu Ende geht, werden wir eine Antwort erhalten auf so manche Frage, die uns jetzt beschäftigt. Vielleicht auch eine auf die Frage nach dem Leid – wenn doch Gott ein liebender ist.

Gott, wenn ich mein Leben zurücklege in deine Hand, erfülle meine letzte Sehnsucht nach Sinn! Lass mich immer wieder neu erfahren, wie gut deine Gegenwart tut. Lass mich nicht irr werden in den Situationen der Sinnlosigkeit und Trostlosigkeit. Stärke mich durch Menschen, die mit mir auf dem Weg und auf der Suche sind.

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Fasten: Auf dem Weg zur Fülle

17. Februar 2010

„Fasten“ und „Fülle“ – könnte glatt ein Widerspruch sein. Stimmt. Wenn man Fülle als „Völlern“, „Saufen“ oder „Fressen“ versteht, so wie es Jesus unterstellt wurde (Mt 2,19: „Der Menschensohn ist gekommen, er ißt und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen“). Aber, das sagt der zweite Halbvers: Und doch hat die Weisheit recht bekommen.
Wie ist das nun mit dem Fasten und der Fülle?

Fasten kann sehr traditionell als Verzicht auf gewisse Lebensmittel oder Dinge verstanden werden. Es gibt viele im Trend liegende Optionen: Twitter-Fasten, Stress-Fasten, Autofasten… Auf welches Ziel hin, könnte eine sehr hilfreiche Frage sein.

Ich verstehe Fasten als „Sich-Lösen“ von Dingen oder Gewohnheiten, die etwas sehr Schönes und Wertvolles be-Schatten oder verhindern: Leben in Fülle (Joh 10,10: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“). Die Elberfelder Bibel kennt noch eine Steigerung von „Fülle“: „Überfluss“ („damit sie Leben haben und es in Überfluss haben“). Toll, welche lebensbe-ja-hende Botschaft Jesus rüberbringen wollte: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben – in Überfluss!

Und wenn ich nicht ganz falsch liege, lag Jesus weder „fressen und saufen“ fern noch die ganz einfache Botschaft Gottes: „Ich liebe dich!“ Und zwar in Form von Nächstenhilfe, in Form von Nächstenliebe – dazu gehören auch Ermahnungen wie die „Weherufe“ (zB Lk 6,24ff) – und in den vielfältigen Formen, wie sich die Liebe Gottes ausdrücken kann.

Fastenzeit – eine Einladung, sich auf den Weg zu machen zu einem Leben in Fülle – ja, zu einem Leben in Überfluss!

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Valentin und die Liebe

9. Februar 2010

Bischof Valentin, der am 14. Februar 269 sein Leben gelassen haben soll, ist der Namensgeber des „Valentins-Tages“. Angeblich ist er deswegen Patron der Liebenden, weil er Liebende entgegen kaiserlichen Verbotes getraut hat. Ein paar Konjunktive zu Beginn sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass der Valentinstag heute zu einem „Tag der Liebe und der Liebenden“ geworden ist – im Indikativ.

Ich finde es eine schöne Bewandtnis, dass gerade ein Märtyrer Schutzherr aller Liebenden ist. Denn echte Liebe kennt keine Grenzen, nicht einmal die Grenze des irdischen Lebens, den menschlichen Tod.

Wenn jährlich am 14. Februar vielerorts ein „Fest der Liebe“ gefeiert wird, dann soll dieser Tag ins Bewusstsein rücken, dass allen Menschen dieser Erde und eben uns als Christinnen und Christen etwas geschenkt ist, das unüberbietbar ist: Die Liebe des mütterlichen und väterlichen Gottes, die sich nie und nimmer in die Schranken weisen lässt. Es ist uns zugesagt: „Die Liebe hört niemals auf“

Valentinstag 14.2.

(c) pixelio.de/wrw

(1 Kor 13,8). Das, was sich zwischen zwei Liebenden ereignet, ist ein Abbild des „Ja-Wortes“ Gottes, das er der Menschheit zugesagt hat und zusagt.

Immer wieder wird es Hoch-Zeiten und Tief-Zeiten im Leben Einzelner und auch im Sein und Werden einer Liebes-Beziehung geben. Das ist gut so, denn dadurch ist Entwicklung möglich, dadurch reifen wir. Am Valentins-Tag werden wir jedes Jahr daran erinnert, dass Beziehung Pflege braucht, Erneuerung, Belebung oder Be-Liebung.

Man darf sich fragen, ob das Wort Liebe eigentlich geeignet ist, das auszudrücken, was Millionen und Millarden Menschen erleben in der Gegenwart Gottes und in der Gegenwart eines oder einer Geliebten. Das Wort ist verbraucht, das stimmt. Aber der Inhalt wird sich nie verbrauchen. Es gibt die Spruch-Weisheit „Liebe ist das einzige, das sich vermehrt, wenn man es teilt“.

Der 14. Februar soll uns jährlich Anstoß sein, über Beziehung, Zusagen, Zu-mut-ungen, „Ja“-Worte, über Liebe neu nachzudenken und vielleicht sich auch von jemand anderem das zusagen zu lassen, was uns eben zugesagt ist: „Ich liebe dich“ (Gott).

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Worauf es ankommt

17. Januar 2010

Das ist wohl die „Gretchenfrage“ in Bezug auf Spiritualität, Gott, Sinn, Leben. Worauf kommt es wirklich an? Jeden Sonntag in die Kirche zu gehen? Nächstenliebe zu leben? An Gott oder Jesus zu glauben? Zu beten? Ein „guter Mensch“ zu sein oder die Gebote zu halten? Nicht Gutes zu unterlassen und nicht Böses zu tun?

Wenn ich an daran denke, worauf es im Leben wirklich ankommt, kommen mir zuerst all die schlauen Bücher (Stichwort: Ratgeber-Literatur), Worte und Internet-Seiten in den Sinn, die es „ganz genau“ wissen. Deren Nennung erspare ich mir gerne. Eigentlich könnte ich diesen Eintrag hier beenden. Niemand weiß es „ganz genau“. Aber wenn man schon schreibt über das, „worauf es ankommt“, dann soll es auch ein wenig ergiebig sein im Sinne von „nicht sinnlos“.

Also: Worauf kommt es an? Vielleicht ist genau diese Frage schon der Schlüssel für die Beantwortung derselben. Soll jetzt was genau heißen? Ich meine, wer sich die Frage nach dem Sinn stellt – und das IST die Frage nach dem Sinn – der ist schon in der Spur, schon auf dem richtigen Weg. Fatal wäre vielmehr, sich die Frage nach dem Sinn NICHT zu stellen. Um biblisch zu sprechen: „Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet“ (Evangelium nach Matthäus 7,8). Noch einmal anders ausgedrückt: Der, der sich auf die Suche begibt (nach der Antwort auf den Sinn), der wird auch finden (den Sinn – des oder seines Lebens).

Worauf kommt es nun wirklich an? Auf das „auf der Suche sein“. Den Sehnsüchten nachzugeben. In dem Wort steckt ja „sehnen“ – ich deute es einmal als „sich nach existentiellen Antworten sehnen“. Ich finde meine persönlichen und existentiellen Antworten vor allem im Gebet. Und Gebet hat für mich inhaltlich mit „offen sein“, mit „sich einlassen“, mit „verfügbar bleiben“ zu tun. Und der zweite Teil des Wortes „Sehnsucht“ ist „Sucht“ bzw. „suchen“. Süchtig zu sein ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Denn gibt es auch Menschen, die nicht nach Alkohol, Sex, Konsum oder sonstwas süchtig sind, sondern vielleicht nach Gott? Ich glaube schon. Mit „Nach Gott süchtig sein“ meine ich keineswegs die Fanatiker in den Religionen – deren es ohnehin genug gibt – sondern meine ich die Menschen, jene Kinder, Männer und Frauen, die sich bewusst oder unbewusst entschlossen haben, ihr eigenes Leben in die Hände Gottes zu legen.

Gott, lass mich immer auf der Suche bleiben. Und schenke mir hin und wieder Antworten, damit ich nicht an mancher Sinnlosigkeit verzweifle. Hilf mir, mich einzulassen auf all das Verwirrende und Unklare in meinem Leben, in dem Wissen, dass DU die Frage UND die Antwort bist.

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Sinnlos

14. Januar 2010

Wenn ich so nachdenke über Gegensätze, dann beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass vieles sinnlos sei. Wie lassen sich zum Beispiel ein Anzug-Mann, der – sagen wir – 400 Euro für ein Abendessen ausgibt und ein kenianisches Straßenkind, das bettelt und seine Eltern wegen HIV verloren hat, gedanklich verbinden? Dreht es sich in diesem Beispiel um den selben Planeten, die selbe Menschheit? Wenn ich solche Bilder nebeneinander sehe, dann kommt mir auch mein bescheidener Beitrag zur „Verbesserung der Welt“ sinnlos vor. Oder wie soll ich zusammendenken, dass auf der einen Seite der Erde Menschen Urlaub am Mond machen und andere nicht einmal das Geld und die Möglichkeiten haben, an sauberes Wasser zu kommen? Geht es Ihnen auch manchmal so?

In diesen Situationen bin ich ein Anhänger der „Chaos-Theorie“: Mein kleiner Beitrag, meine bescheidenen Überzeugungen, mein Beruf, mein Einkaufsverhalten können doch viel bewirken. Und wovon ich ebenfalls überzeugt bin: Beten hilft. Das klingt sehr plump und nicht außergewöhnlich eloquent, aber ich bin überzeugt, dass Gebet nicht sinnlos ist – im Gegenteil: Im Gebet, das vertrauensvoll ausgesprochen wird oder auch nicht ausgesprochen wird, liegt der Schlüssel zur Überwindung solcher Sinnkrisen. Denn wer betet, bei dem/der ist der Groschen bereits gefallen.

Gott, schenke mir das Durchhaltevermögen, auch bei gefühlter Sinnlosigkeit die Dinge Dir anzuvertrauen, in dem Wissen, dass ich Dir nicht nur nicht egal bin, sondern dass ich alles für Dich bin. Lass mich verfügbar bleiben für die kleinen und großen Sinnlosigkeiten, im Vertrauen auf die grenzenlosen Möglichkeiten, die sich in Dir vereinen!

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