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Fest der Heiligen Familie

26. Dezember 2009

Lesung: 1 Joh 3,1-2.21-24

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Predigtgedanken:

Heute, am Sonntag in der Weihnachtsoktav, feiern wir das Fest der Heiligen Familie. Ich finde, das Fest passt gut in die Tage nach Weihnachten, weil ja Weihnachten als Feier der Menschwerdung Gottes im innersten Kern und auch für uns ein Familienfest ist. Ich möchte Sie einladen, mit mir ein paar Überlegungen zum Thema Familie zu machen. Was heißt Familie? Dieses Wort zeugt viele Assoziationen. Wenn ich an Familie denke, dann fällt mir ein:  Geburt, Leben, Gesundheit, Krankheit, Tod, Geborgenheit, Trauer, Schmerz, Zerbrochenheit, lachen, weinen, Verständnis und Missverständnis, gemeinsam und alleine sein, geliebt und gehasst werden, sich streiten und sich versöhnen, zusammengehören oder sich trennen…

Das, was wir als Familie erleben, erleben wir als Menschen. Alles, was ich vorhin aufgezählt habe, gehört sowohl in den Bereich der Familie und überhaupt in den Bereich des Mensch-Seins.

Genau das scheint mir auch die Botschaft des Wortes Gottes zu sein, das wir heute gehört haben in der  Lesung aus dem Johannesbrief: „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es“! (1 Joh 3,1) Eine großartige Zusage, die uns Mut machen sollte! Kind Gottes zu sein trifft sowohl auf Jesus, auf die Heilige Familie zu als auch auf uns: wenn wir im „Vater unser“ Gott als unseren liebevollen Vater ansprechen, dann heißt das umgekehrt, dass wir seine Töchter und Söhne sind. Das ist die eigentliche „Heilige Familie“ – Gott als Vater und Mutter von uns Menschen – eine einzige große Familie.

Im Johannesbrief haben wir weiter gehört: „Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden.“ (1 Joh 3,2) Auch das sollte uns froh stimmen: Schon jetzt sind wir Kinder Gottes – was kann man sich schöneres vorstellen? Aber was wir im späteren Leben, im ewigen Leben sein werden – ist noch nicht offenbar geworden. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass es noch etwas Schöneres geben könnte, als irdisches Kind Gottes zu sein. Vielleicht wie Jesus zu sein, ein himmlisches Kind Gottes. Ist das vermessen? Darf man das nicht denken? Ich glaube es ist höchst angebracht, Gott wirklich zuzutrauen, dass er uns mit all seiner Liebe erfüllen will – jetzt schon, als seine Kinder, und später erst recht.

Einen Aspekt möchte ich nicht ausblenden: Es gibt in vielen Orten auf der ganzen Erde Leid, Not und Elend. Bei allem schönen Gerede von der Heiligen Familie dürfen wir nicht vergessen, dass es unheile Familien gibt. Zerrüttete Familien. Von Krankheit und Hunger geplagte Familien. Von Krieg und Verfolgung gepeinigte Familien. Das ist ebenso Realität wie die Tatsache, dass wir eine einzige, große Menschheitsfamilie sind.

Wenn die Sternsinger-Königinnen und Könige in ein paar Tagen aufbrechen, um Geld zu erbitten, dann dürfen wir vor allem an diese Menschen und Familien denken: an alle, die äußerlich arm sind, denen es oft am Allernötigsten fehlt. Ich weiß, dass sie die Sternsinger gut aufnehmen werden und dass sie gerne Geld dafür geben. Aber denken wir vor allem daran, dass das unsere gemeinsame Berufung ist als Kinder eines liebenden Gottes: als die eine, große Menschheitsfamilie wollen wir darauf schauen, dass es allen Familienmitgliedern gut geht. Erst dann, wenn es allen Menschen gut geht, geht es der Heiligen Familie gut – der Menschheitsfamilie.

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