Mit ‘Predigt’ getaggte Artikel

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Weißer Sonntag – Zweifel, Frieden, Auferstehung

9. April 2010

Lesung: 1 Petr 1,3-9
Evangelium: Joh 20, 19-31

Predigtgedanken zum “Weißen Sonntag” (Zweiter Sonntag der Osterzeit), 11. April 2010

Ich möchte ein paar Splitter der österlichen neutestamentlichen Lesungen mit ihnen betrachten.

Im ersten Petrusbrief haben wir gehört: „Glaube, der wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist“.
Ganz sicher gibt es auch unter den Goldhändlern und Goldschmieden Menschen, die aus dem Glauben an Jesus Christus leben. Aber viele Banker und Börsianer haben die Erfahrung gemacht, wie vergänglich ein Reichtum ist, der aus Gold oder Aktien besteht.
„Glaube, der wertvoller ist als Gold“. Wie kann ich mir das vorstellen? Gibt es da ein himmlisches Konto, auf das ich meine Gebete, meine Messbesuche und meine guten Taten gutschreiben kann? Sicherlich nicht. Das wäre ein Irrglaube. Glaube ist wie das Leben selbst ein Geschenk. Geschenk aus der Hand Gottes, das wir empfangen und wieder zurückgeben.

Zweifel beschleichen mich immer wieder mal zwischendurch. Und wenn es auch nur kurze Momente sind, in denen ich nicht an den auferstandenen Jesus glauben kann, weil es mir zu wunderbar erscheint, diese Momente sind mir nicht fremd. Diese Momente gehören für mich so selbstverständlich zum Christsein dazu wie jede Freude und jede gute Tat. Ich möchte so weit gehen, zu behaupten, dass nur der Zweifler sich seines Glaubens gewiss sein kann. Denn was herauskommt, wenn man unhinterfragt mitmacht oder mitmachen muss, das hat uns die Hölle des Nationalsozialismus gezeigt vor etlichen Jahrzehnten.
Glaube und Zweifel gehören zusammen wie die Hoch- und Tiefzeiten des Lebens und wie Sonne und Regen.

Ein weiterer Aspekt aus der Evangeliums-Lesung: Thomas braucht „Beweise“. Jesus läßt ihn seine Finger in seine Hände und seine Seite legen. Wenn ich jetzt an mein Leben und an meinen Glauben denke: Hätte ich nicht auch gerne Gewissheit? Wäre es nicht einfacher mit Beweisen?
Dazu möchte ich ihnen drei Fragen stellen:
Ist Wasser nass? Ist grün eine Farbe? Gibt es Liebe?
Ich muss gestehen, diese Fragen sind nicht von mir, sondern von einer Internetseite, die sich mit dem Thema Atheismus befasst. Aber ich finde sie sehr hilfreich.
Ist Wasser nass? Ist grün eine Farbe? Gibt es Liebe? Dinge, über die man streiten kann, über die wir uns aber verständigen können. Wir werden nach einer kurzen Überlegung nicht daran zweifeln, dass Wasser nass ist und dass grün eine Farbe ist. Bei der Frage „Gibt es Liebe“ würde ich sicher Menschen finden, die ihnen nächsten Sonntag hier an dieser Stelle erzählen könnten, dass es Liebe nicht gibt.

Ist Jesus auferstanden? Ist Jesus bei uns? Das Evangelium berichtet von den Erfahrungen der Jünger Jesu mit dem Auferstandenen. Die Frage, die mich beschäftigt, und die sie vielleicht auch mittragen, lautet: In welche Kategorie von Wahrheit darf ich Auferstehung einordnen? In die Kategorie der naturwissenschaftlichen Belegbarkeit und Beweisbarkeit wohl kaum. Da bräuchten wir nicht hin und wieder zu zweifeln. Aber in die Kategorie der großen Menschheitslügen wohl auch nicht. Dafür gibt es zu viele Christen auf der Welt.
In welche Kategorie passt also „Auferstehung“?
Ich meine, in die des Glaubens und des Glaubenszeugnisses. Alle, die wir hier Gottesdienst feiern, sind uns einig darüber, dass unser Leben von Gott begleitet ist. Wenn wir uns über das Thema Auferstehung austauschen würden, bin ich mir sicher, dass es unterschiedliche Auffassungen dazu gibt. Das muss uns aber nicht weiter stören, denn auch die bekanntesten Theologinnen und Theologen sind sich nicht immer einer Meinung.

Wichtig scheint mir eines:
Wir versammeln uns an vielen Sonntagen des Jahres, um in der Heiligen Messe des Lebens, Leidens und der Auferstehung Jesu zu gedenken. Wir tun das zu seinem Gedächtnis, in jeder Messe. Wir geben uns in jedem Gottesdienst ein Zeichen des Friedens, so wie Jesus das tat. Und weil wir aus dieser Quelle des gemeinsamen Feierns leben, sind wir dazu berufen, diese unsere Osterfreude mit allen zu teilen, die danach hungern. Jesus sagte das so: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

Das ist also die Botschaft des heutigen Evangeliums: Lassen wir die Freude von Ostern auch nach Ostern nicht verkümmern, sondern bringen wir diese Freude und den Frieden, der vom auferstandenen Jesus ausgeht, hinaus zu den Menschen, die uns begegnen! Und scheuen wir uns nicht davor, manchmal zu zweifeln. Es wird uns gut tun und es gehört zum Leben. Amen.

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Predigtgedanken zum Gründonnerstag 2010

1. April 2010

Lesung: Ex 12,1-8.11-14
Evangelium: Joh 13,1-15

Heute am Gründonnerstag oder „Hohen Donnerstag“, wie er auch heißt, feiern wir die Messe vom Letzten Abendmahl, die bereits zum Triduum Sacrum, zu den drei österlichen Tagen gehört. Während dieser drei Tage hin auf Ostern verdichtet sich die Quelle des Christentums: Mahl, Leiden und Sterben, Auferstehung.
In diesen drei österlichen Tagen versuchen wir nachzuvollziehen, was den Kern unseres Glaubens ausmacht. Das Leiden und Sterben Jesu des Karfreitags verweist uns auf die Tief- und Tiefstpunkte in unserer eigenen Biografie. In der Osternacht werden wir auf den Durchbruch der immer größeren Liebe Gottes, die sich auch in uns, mit uns und durch uns durchsetzt, verwiesen. Der heutige Gründonnerstag könnte für uns die Möglichkeit sein, die Gegenwart Jesu im sogenannten „Alltag“ wahrzunehmen.

Wieso „Alltag“, wo doch ein Mahl im Angesicht des Todes alles andere als „alltäglich“ ist?
Ich meine, weil es um die Feier des Abendmahles geht, das für Christinnen und Christen seit 2000 Jahren zum „Alltag“ gehört. Die auffordernden Worte Jesu „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ blieben nicht ungehört. Im Gegenteil: Aus dem gemeinsamen Mahl lebt jede christliche Gemeinde, auf der ganzen Welt. Gemeinsam Mahl zu halten, wie wir in der Lesung aus dem Buch Exodus gehört haben, ist eine zentrale und eine kultivierte Form der Gemeinschaft und der Kommunikation, die sehr alt ist und nicht zuerst im Ersten Testament der Bibel bezeugt ist. In vielen Religionen hat das „Mahl halten“ Tradition und in jüngster Zeit findet auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Essen und Trinken vermehrt statt. Die letzte Landesaustellung hieß „Mahlzeit“, in der Theologie wird vermehrt über die Bedeutung des Mahles, von Brot und Wein nachgedacht. Alles Indizien dafür, dass wir es mit einer menschlich höchst bedeutsamen Handlung zu tun haben, wenn wir vom Mahl sprechen.

Auch für Buddhisten, Hindus und besonders für Juden, unsere älteren Geschwister im Glauben, hat die Feier des Mahles eine besondere Bedeutung. Was also ist das Besondere am christlichen Abendmahl?
Den entsprechenden Hinweis finden wir im Evanglium: Jesus erwies „ihnen seine Liebe bis zur Vollendung“. Er erledigte die Aufgabe eines Dieners, der seinen Gästen die Füße wusch. Das ist ganz und gar nicht alltäglich, aber doch die Aufforderung, die unseren Alltag vom Kern her durchdringen will.

In den letzten Tagen und Wochen war viel von Missbrauchsfällen in der Kirche die Rede. Die einzelnen Personen, die hier kirchlich geliehene Autorität missbraucht haben, bekennen sich zu ihrer Schuld, die bei den Opfern oft lebenslängliche Schäden angerichtet hat. Ich will nicht die Schuld kirchlicher Personen der Liebe Jesu gegenüberstellen. Das wäre zu einfach. Aber gerade in diesen drei österlichen Tagen soll auch erwähnt werden, dass der Alltag, auch der kirchliche Alltag, nicht nur Liebe und Vollendung ist. Wenn wir vom Mahl und der Gemeinschaft in der Kirche sprechen, von der Liebe Jesu, dann denken wir zu Ostern auch an die Tief- und Tiefstpunkte in unserer Biografie. Es gibt sie. So wie bei jenen ersterwählten Jüngern, mit denen Jesus sein letztes Mahl zu sich genommen hat. Alles Menschen wie du und ich, alles Menschen mit Kerben und Narben im Lebensholz.

Betrachten wir die Gemeinschaft Jesu mit seiner Kirche und seine Gegenwart unter uns als eine Schicksalsgemeinschaft: Wir dürfen den Alltag mit Gott verbringen, wie wir auch unsere Hoch- und Tiefzeiten getrost in die Hände Gottes legen dürfen. Folgen wir dem Beispiel Jesu, der seinen Alltag mit Gott verbracht hat: Im Fröhlich sein, im Mahl halten, im Leiden, im Sterben und in der Auferstehung. Amen.

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