Mit ‘Leid’ getaggte Artikel

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Vom Ernst der Nachfolge

4. September 2010

Evangelium zum Sonntag 5. September 2010, Lk 14,25-33

Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau  begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit  zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz  verzichtet.

Gerade vor ein paar Tagen habe ich in dem christlichen Magazin „Publik Forum“ den Artikel des 1988 geborenen Steve Henkel gelesen. Er studiert Evangelische Theologie in Bonn und ist enttäuscht von TheologInnen und Gläubigen, die zwar vom Evangelium reden, aber den Ernst der Sache verkennen, wie es ihm, und auch mir, scheint. „Ich kann und will mir keine Kirche vorstellen, in der immer alles nett und kuschelig ist“, meint Henkel. Und ehrlich gesagt, eine „nette und kuschelige“ Kirche, das widerspricht auch meiner Wahrnehmung dessen, was Jesus denen zumutet, die ihm nachfolgen wollen.

Das heutige Evangelium „Vom Ernst der Nachfolge“ führt uns vor Augen, wie „ernst“ es werden kann. Im Extremfall ist die Familie und das eigene Leben sogar gering zu achten. Und hier geht es nicht um den übertragenen Sinn, sondern was hier gemeint ist, haben uns Menschen wie Dietrich Bonhoeffer und Franz Jägerstätter, und natürlich die Tausenden davor, vor Augen geführt. Alle, die dem Beispiel Jesu gefolgt sind und der Wahrheit durch die Hingabe des eigenen Lebens zum Durchbruch verholfen haben. Das ist die eine Seite des „Ernstes“. So wie die Träne aber Symbol der Trauer als auch der Freude ist, so ist es auch das Kreuz.

Die zweite Seite des von Jesus geforderten „Ernstes der Nachfolge“ ist die unübertroffene Freude der Auferstehung. Der Tod ist nicht das Ende. Das letzte Wort ist nicht der Tod, sondern das Leben. Und zwar nicht irgendein Leben, sondern das Leben mit Gott, das Leben in Fülle. Und es gibt kaum Menschen, die nicht schon an irgendeinem Punkt im Leben erleben konnten, wie nahe Leid und Freude beisammen liegen. Und deshalb werden die Erkenntnisse vom „Ernst der Nachfolge“ auch niemals veralten. Weil sie im Wesen des Menschen verankert sind. Freilich, es ist schon lohnend, die Geschichte von Kreuz und Auferstehung immer wieder in eine verständliche Sprache zu kleiden. Aber das Kreuz aus der Rede vom Evangelium zu streichen, wäre fatal. Denn wer Jesus im „Kuschelkurs“ nachfolgen will, folgt einer Götze nach.

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Auschwitz Birkenau

19. Mai 2010

Deutschsprachige Gedenktafel in Birkenau

Nach einem Besuch und einer Führung in den Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau in Polen gehen mir verschiedenste Dinge nach. Vieles habe ich bereits über den Holocaust, über die unvorstellbaren Sinnlosigkeiten und Verbrechen der Nazis gehört, gelesen und auch gesehen. Aber die „Zentrale des Wahnsinns“ aus unmittelbarer Nähe zu erleben, hat mit mir noch einmal etwas anderes gemacht: Ich fühle mich viel unmittelbarer betroffen von der industriellen Vernichtung und den Methoden der Nazis. Es hat mich vieles als eine Art „Prasselregen“ erreicht. Ich meine damit, dass es mir nicht möglich war, die Liter an Regenwasser (Information, Grauen, Betroffenheit) auf einmal in mein Erdreich der Gefühle einzulassen. Manches muss erst sickern. Eine Art, dies zu verarbeiten ist für mich, Eindrücke aufzuschreiben, in Wörtern, die man auch Gedichte nennen kann. Hier ein Versuch:

Gedicht „Auschwitz-Birkenau I“

Auschwitz
Menschen
Menschen?
Menschen!
Zyklon B-Kieselsteine, werden warm, zu Gas, vernichten billig und wirksam
Juden, Andersdenkende, Widerständler, Polen, Tschechen, Deutsche, Franzosen, Ungarn
4 Häftlinge auf 1 Quadratmeter
In Stehzellen ohne Tageslicht
Notdurft
Überlebenszeit maximal 6 Monate
Hunger
Regen
Schnee
Kälte
Nackt
Nackt?
Nackt!
Erschießung ohne Grund
Sippenhaftung
Gefängnis im Gefängnis
Ohne Widerstand?
Nein
Geflohen, Erschossen, Gehenkt
Die Haare zu Jackenfutter verarbeitet
Goldzähne werden zum Reichsschatz
Schuld?
Wer ist schuld?
Wo war Gott?
Einmal Duschen in 5 Monaten
Krankheit ist ein Todesurteil
Apell, stundelang
Bei jedem Wetter

Zaun im Lager Birkenau - gefangen und der Vernichtung ausgeliefert

Und nach harter Arbeit eines Nazis
Spielt das Judenorchester auf
Tief berührt von der Musik
Schreitet er gestärkt nächsten Tag zur Tötung
Und dann am Abend zurück in die Villa
Um sich zu erholen von der schweren Last
Der Vernichtung.
Menschen
Menschen?
Menschen!

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Atheismus – Leben ohne Gott

28. Februar 2010

Ein Leben ohne Gott…
…wäre für mich wie Sonnenbaden im Nebel – eine verstellte Sicht, getrübte Lebensfreude, ein Hauch von Sinnlosigkeit, Sprechen gegen eine Wand. Es gibt viele Möglichkeiten, das auszudrücken. Atheismus – eine Weltanschauung, die ohne Gott auskommt. Viele AtheistInnen glauben nicht an Gott, weil man sie/ihn nicht beweisen kann. Ist Wasser nass? Ist grün eine Farbe? Ist Gott jemals jemandem begegnet?

Im physikalischen oder mathematischen Sinn wird sich Gott nicht beweisen lassen. Auch die vielen philosophischen Gottes-„Beweise“ werden wahrscheinlich nur wenige Menschen in Berührung bringen mit dem Urgrund des Lebens – Gott. Es stimmt, man kann ein guter Mensch sein, ohne an Gott zu glauben. Die „Fülle des Lebens“ wird aber nur die/der erfahren, die/der in Berührung oder Tuchfühlung mit dem letzten Geheimnis der Menschheit ist.

„Wie geht denn das?“ wird sich vielleicht eine Atheistin/ein Atheist fragen. Und wirklich, das ist eine gute Frage! Antworten dürfte es wohl soviele geben, wie es Sterne gibt am Himmel. Die Wege zu Gott sind vielfältig. Manche Menschen finden zu der Urkraft des Lebens durch Leid und durch durchlebte Krankheiten. Andere begegnen ihm in den Worten der Bibel. Wieder andere kommen mit Gott in Kontakt, in dem sie in Stille wahrnehmen, was ist: Geschaffenes, Gewolltes, Geliebtes. Viele Menschen erleben die Nähe Gottes in Momenten des Glücks und der Freude. Ist das wirklich Gott? Oder doch nur Selbstbetrug, Suggestion, Wirklichkeitsverweigerung?

Einmal, wenn unser irdisches Leben zu Ende geht, werden wir eine Antwort erhalten auf so manche Frage, die uns jetzt beschäftigt. Vielleicht auch eine auf die Frage nach dem Leid – wenn doch Gott ein liebender ist.

Gott, wenn ich mein Leben zurücklege in deine Hand, erfülle meine letzte Sehnsucht nach Sinn! Lass mich immer wieder neu erfahren, wie gut deine Gegenwart tut. Lass mich nicht irr werden in den Situationen der Sinnlosigkeit und Trostlosigkeit. Stärke mich durch Menschen, die mit mir auf dem Weg und auf der Suche sind.

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