Wenn man 5 Mal, 10 Mal, vielleicht schon 60 Mal Ostern gefeiert hat – kommt einem da das Gerede von Auferstehung nicht leer und abgedroschen vor? Wenn man noch nie an einer kirchlichen Auferstehungsfeier teilgenommen hat und bisher über Jesus und Ostern nur Witze gehört hat – wie mutet Ostern an? Ich möchte gerne von den letzten Tagen berichten, die ich von Gründonnerstag bis heute, Ostersonntag, erlebt habe.
Am Gründonnerstag feierte ich die Messe vom letzten Abendmahl mit. Ich habe von Alltag gesprochen. Ein Mahl im Angesicht des Todes. Jesu Jüngerinnen und Jünger – Menschen wie du und ich, mit Kerben und Narben im Lebensholz. Bis heute lebt jede Gemeinde, in der Christus gegenwärtig ist, vom gemeinsamen Mahl.
Karfreitag. Ich habe in einer Kinderliturgie erlebt, was es heißt, über eigene Tief- und Tiefstpunkte nachzudenken. Es wird der Tod Jesu als Zeichen für einen menschlichen Tiefstpunkt reflektiert. Tränen wurden als Symbole verwendet. Symbole der Traurigkeit. Aber Tränen weinen wir nicht nur bei Traurigkeit. Auch bei großer Freude laufen uns manchmal Tränen über die Wangen. Das genau markiert den Wendepunkt. In der Doppeldeutigkeit von Tränen – bei großer Traurigkeit oder bei großer Freude – vermischen sich die Gegensätze des Lebens. Widersprüchliches klärt sich auf. Tod wird zur Vorfreude auf das Leben.
Als ich am Karsamstag am Vormittag an der Probe für die Osternachtfeier teilnahm, konnte ich in mir eine schon lange nicht mehr dagewesene Freude verspüren. Ich nenne sie die Freude der Freunde Jesu. In dieser Freude habe ich die Osternacht und die Auferstehungsfeier heute früh mitgefeiert. Heute habe ich auch verspürt, was Auferstehung für meine verstorbene Mutter bedeuten muss. Nichts von Abgedroschenheit. Nichts von Leere. Ein Gefühl der Erfüllung und der Fülle. Das Wissen um das letzte Aufgehobensein bei Gott. Eine besondere Klarheit des Geistes, Lachen im Herzen, Auferstehung.
Ich weiß, dass das ein persönliches Zeugnis ist. Aber ich weiß auch, dass viele Christinnen und Christen das ähnlich empfinden. Das persönliche Durchleben der Karwoche und von Ostern gibt vielen Menschen Kraft und Vertrauen.
Du Gott der ganzen Erde, schenke mir immer neu die Erfahrung der Auferstehung, zu Ostern und wann immer es nötig ist. Lass das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu für alle zur Quelle werden, die auf der Suche sind nach Leben und Sinn.
