Mit ‘Gründonnerstag’ getaggte Artikel

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Ostern – Auferstehung – Leben

4. April 2010

Wenn man 5 Mal, 10 Mal, vielleicht schon 60 Mal Ostern gefeiert hat – kommt einem da das Gerede von Auferstehung nicht leer und abgedroschen vor? Wenn man noch nie an einer kirchlichen Auferstehungsfeier teilgenommen hat und bisher über Jesus und Ostern nur Witze gehört hat – wie mutet Ostern an? Ich möchte gerne von den letzten Tagen berichten, die ich von Gründonnerstag bis heute, Ostersonntag, erlebt habe.

Am Gründonnerstag feierte ich die Messe vom letzten Abendmahl mit. Ich habe von Alltag gesprochen. Ein Mahl im Angesicht des Todes. Jesu Jüngerinnen und Jünger – Menschen wie du und ich, mit Kerben und Narben im Lebensholz. Bis heute lebt jede Gemeinde, in der Christus gegenwärtig ist, vom gemeinsamen Mahl.

Karfreitag. Ich habe in einer Kinderliturgie erlebt, was es heißt, über eigene Tief- und Tiefstpunkte nachzudenken. Es wird der Tod Jesu als Zeichen für einen menschlichen Tiefstpunkt reflektiert. Tränen wurden als Symbole verwendet. Symbole der Traurigkeit. Aber Tränen weinen wir nicht nur bei Traurigkeit. Auch bei großer Freude laufen uns manchmal Tränen über die Wangen. Das genau markiert den Wendepunkt. In der Doppeldeutigkeit von Tränen – bei großer Traurigkeit oder bei großer Freude – vermischen sich die Gegensätze des Lebens. Widersprüchliches klärt sich auf. Tod wird zur Vorfreude auf das Leben.

Als ich am Karsamstag am Vormittag an der Probe für die Osternachtfeier teilnahm, konnte ich in mir eine schon lange nicht mehr dagewesene Freude verspüren. Ich nenne sie die Freude der Freunde Jesu. In dieser Freude habe ich die Osternacht und die Auferstehungsfeier heute früh mitgefeiert. Heute habe ich auch verspürt, was Auferstehung für meine verstorbene Mutter bedeuten muss. Nichts von Abgedroschenheit. Nichts von Leere. Ein Gefühl der Erfüllung und der Fülle. Das Wissen um das letzte Aufgehobensein bei Gott. Eine besondere Klarheit des Geistes, Lachen im Herzen, Auferstehung.

Ich weiß, dass das ein persönliches Zeugnis ist. Aber ich weiß auch, dass viele Christinnen und Christen das ähnlich empfinden. Das persönliche Durchleben der Karwoche und von Ostern gibt vielen Menschen Kraft und Vertrauen.

Du Gott der ganzen Erde, schenke mir immer neu die Erfahrung der Auferstehung, zu Ostern und wann immer es nötig ist. Lass das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu für alle zur Quelle werden, die auf der Suche sind nach Leben und Sinn.

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Predigtgedanken zum Gründonnerstag 2010

1. April 2010

Lesung: Ex 12,1-8.11-14
Evangelium: Joh 13,1-15

Heute am Gründonnerstag oder „Hohen Donnerstag“, wie er auch heißt, feiern wir die Messe vom Letzten Abendmahl, die bereits zum Triduum Sacrum, zu den drei österlichen Tagen gehört. Während dieser drei Tage hin auf Ostern verdichtet sich die Quelle des Christentums: Mahl, Leiden und Sterben, Auferstehung.
In diesen drei österlichen Tagen versuchen wir nachzuvollziehen, was den Kern unseres Glaubens ausmacht. Das Leiden und Sterben Jesu des Karfreitags verweist uns auf die Tief- und Tiefstpunkte in unserer eigenen Biografie. In der Osternacht werden wir auf den Durchbruch der immer größeren Liebe Gottes, die sich auch in uns, mit uns und durch uns durchsetzt, verwiesen. Der heutige Gründonnerstag könnte für uns die Möglichkeit sein, die Gegenwart Jesu im sogenannten „Alltag“ wahrzunehmen.

Wieso „Alltag“, wo doch ein Mahl im Angesicht des Todes alles andere als „alltäglich“ ist?
Ich meine, weil es um die Feier des Abendmahles geht, das für Christinnen und Christen seit 2000 Jahren zum „Alltag“ gehört. Die auffordernden Worte Jesu „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ blieben nicht ungehört. Im Gegenteil: Aus dem gemeinsamen Mahl lebt jede christliche Gemeinde, auf der ganzen Welt. Gemeinsam Mahl zu halten, wie wir in der Lesung aus dem Buch Exodus gehört haben, ist eine zentrale und eine kultivierte Form der Gemeinschaft und der Kommunikation, die sehr alt ist und nicht zuerst im Ersten Testament der Bibel bezeugt ist. In vielen Religionen hat das „Mahl halten“ Tradition und in jüngster Zeit findet auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Essen und Trinken vermehrt statt. Die letzte Landesaustellung hieß „Mahlzeit“, in der Theologie wird vermehrt über die Bedeutung des Mahles, von Brot und Wein nachgedacht. Alles Indizien dafür, dass wir es mit einer menschlich höchst bedeutsamen Handlung zu tun haben, wenn wir vom Mahl sprechen.

Auch für Buddhisten, Hindus und besonders für Juden, unsere älteren Geschwister im Glauben, hat die Feier des Mahles eine besondere Bedeutung. Was also ist das Besondere am christlichen Abendmahl?
Den entsprechenden Hinweis finden wir im Evanglium: Jesus erwies „ihnen seine Liebe bis zur Vollendung“. Er erledigte die Aufgabe eines Dieners, der seinen Gästen die Füße wusch. Das ist ganz und gar nicht alltäglich, aber doch die Aufforderung, die unseren Alltag vom Kern her durchdringen will.

In den letzten Tagen und Wochen war viel von Missbrauchsfällen in der Kirche die Rede. Die einzelnen Personen, die hier kirchlich geliehene Autorität missbraucht haben, bekennen sich zu ihrer Schuld, die bei den Opfern oft lebenslängliche Schäden angerichtet hat. Ich will nicht die Schuld kirchlicher Personen der Liebe Jesu gegenüberstellen. Das wäre zu einfach. Aber gerade in diesen drei österlichen Tagen soll auch erwähnt werden, dass der Alltag, auch der kirchliche Alltag, nicht nur Liebe und Vollendung ist. Wenn wir vom Mahl und der Gemeinschaft in der Kirche sprechen, von der Liebe Jesu, dann denken wir zu Ostern auch an die Tief- und Tiefstpunkte in unserer Biografie. Es gibt sie. So wie bei jenen ersterwählten Jüngern, mit denen Jesus sein letztes Mahl zu sich genommen hat. Alles Menschen wie du und ich, alles Menschen mit Kerben und Narben im Lebensholz.

Betrachten wir die Gemeinschaft Jesu mit seiner Kirche und seine Gegenwart unter uns als eine Schicksalsgemeinschaft: Wir dürfen den Alltag mit Gott verbringen, wie wir auch unsere Hoch- und Tiefzeiten getrost in die Hände Gottes legen dürfen. Folgen wir dem Beispiel Jesu, der seinen Alltag mit Gott verbracht hat: Im Fröhlich sein, im Mahl halten, im Leiden, im Sterben und in der Auferstehung. Amen.

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