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Wachstum – an die Grenzen gehen

9. Mai 2010

Heute bin ich auf die Frage gestoßen: „Wie exzentrisch darf man_frau überhaupt sein?“ Was heißt denn exzentrisch? Frei heraus würde ich übersetzen: Gewagt, Grenzen austestend, an die Grenzen gehend.
Grenzen haben etwas Anziehendes und etwas Abstoßendes an sich. Wenn ich sage „Das war jetzt aber grenzwertig“, dann schwingt einiges mit: Vorsicht, Bewunderung, Entrüstung, Verletzung des guten Geschmacks, vielleicht auch Neid. Gerade was den Bereich des Humores betrifft, gibt es viel „Grenzwertigkeiten“. Witze, die dem einen gefallen, sind für den anderen schon außerhalb des guten Geschmackes.

Wenn ich selber Situationen oder Menschen begegne, die „grenzwertig“ sind, dann kommt für mich auf jeden Fall eines zum Ausdruck: Hier handelt es sich nicht um Durchschnitt, Mainstream, Mittelmäßigkeit. Hier handelt es sich um jemanden oder etwas, der oder das an die Grenzen geht. Entweder die persönlichen Grenzen oder die des anderen. Je nach Perspektive.

Wofür dieses „Sich-an-der-Grenze-Bewegen“ aber auf jeden Fall gut und förderlich ist, ist „Wachstum“. Denn nirgends anderswo ist derart großes Wachstumspotential gegeben als an den „Grenzen“. Auch hier hat die Medaille wieder zwei Seiten. Auf der einen Seite kann dieses Wachstum den Menschen schaden (wenn etwa Waffen „ausprobiert“ werden) oder es kann den Menschen nutzen (wenn etwa ein kleines Kind lernt, wie schnell es laufen kann, ohne zu stolpern und hinzufallen).

Nur im Gehen an die Grenzen – und das kann man durchaus auch geografisch sehen – ist Entwicklung und Wachstum möglich. Es kann auch eine Grenze bedeuten, wenn man etwas nicht haben oder vollbringen kann. Gerade Menschen im fortgeschrittenen Alter erleben das häufig. Aber auch hier ist die Grenze die Linie oder der Punkt, der Wachstumsmöglichkeit bedeutet.

Worauf ich aber hinaus will: Leben mit Leidenschaft, oder „Mit Leidenschaft Mensch“, bedeutet für mich, immer wieder mal an die Grenzen zu gehen. Das bringt nicht nur Lob und Bewunderung, sondern durchaus auch Widerstand und Abneigung. Aber damit will ich gerne leben, denn worauf ich verzichten kann, ist angehimmelt zu werden. Worauf ich aber nicht verzichten will, ist: Wachstum. In diesem Sinne wäre die Antwort auf die Eingangsfrage „Wie exzentrisch darf man_frau denn sein?“ diese: So exzentrisch, dass Wachstum im positiven Sinne möglich ist.

Gott, sende aus deinen Heiligen Geist über alle Menschen und lass uns an unsere persönlichen Grenzen gehen. Ermutige uns, mit Widerständen klarzukommen und schenke uns immer wieder die Phasen der Harmonie und der Ruhe. Hilf uns, die „grenzwertigen“ Situationen unseres Lebens gut zu nutzen für unser persönliches Wachstum und für das Wachstum deines Reiches. Amen.

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